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Change Management: Disruption oder Evolution?

Jede Transformation hat zwei grundsätzliche Möglichkeiten: disruptiv, also mittels Change Management im Stil eines «Big Bang», oder evolutionär als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) in vielen kleinen Schritten. Im allerersten Spannungsfeld müssen grundsätzliche Fragen gestellt und beantwortet werden. Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer mehrteiligen Serie, die in den kommenden Wochen fortgesetzt wird.
27. September 2019 - Martin Classen

Braucht die Organisation überhaupt ein aktiv durchgeführtes Projekt, mit dem das Bisherige als überholt und etwas Frisches für überlegen erklärt wird? Oder erfolgt die Erneuerung entsprechend dem KVP-Prinzip, peu à peu im betrieblichen Alltag? Da digitale Geschäftsmodelle weltweit immer mehr zunehmen, neigen die Medien und viele Consultants derzeit dem disruptiven Umbruch zu, weil ansonsten der Anschluss an «the next big thing» verpasst werde. Besonders traditionelle Unternehmen müssten endlich ihre Komfortzone verlassen und spätestens heute zu neuen Ufern aufbrechen.

Statt dann und wann eine grosse Transformation durchzuführen (mit langen Erholungsphasen zwischendurch), ermöglicht die permanente Selbsterneuerung eine stetige Optimierung und zwar tagtäglich. Was in vielen Schweizer Unternehmen seit langem ein bewährtes Rezept ist. Ein beharrliches «Daily Management» setzt sich das erklärte Ziel, jeden Abend etwas besser zu sein als am Morgen zuvor. Warum also nicht das Modewort «Change» streichen und stattdessen auf das beständige Vorwärtskommen setzen?

 

Drei ausgewählte Leitfragen

  1. Welche gewichtigen Gründe für das Veränderungsprojekt gibt es?
  2. Warum gerade jetzt oder kann man auch noch etwas zuwarten?
  3. Stehen zusätzliche Ressourcen zur Verfügung?

 

Empfehlung

Vor dem Beginn eines Veränderungsprojekts steht eine klare Entscheidung: das Wandelvorhaben zu machen oder zu lassen. Jeder Change wird zum bewussten Statement: «Wir machen das nun anders und zwar subito!» Damit bekommt die Transformation einen bestimmten Charakter, wie etwa eine strenge Diät oder gar ein operativer Eingriff in der Medizin.

In der Gesundheitsvorsorge lassen sich drastische Massnahmen vermeiden, wenn man sich rechtzeitig vernünftig verhält, also etwa bekömmlich ernährt und genügend bewegt. Auch die Aufgabe eines Wandelvorhabens bedeutet daher keineswegs, auf die Erneuerung zu verzichten. Denn viele Verbesserungen können schrittweise im betrieblichen Alltag angegangen werden. Besonders dann, wenn die Veränderungsfähigkeit des Unternehmens gross ist und die ständige Anpassung zum natürlichen Rhythmus der Firma gehört. Ausserdem bleibt das bewusste «Jetzt nichts ändern!» durchaus eine Option, die keinesfalls vorschnell ausgeblendet werden sollte. Denn die Wettbewerber kochen auch nur mit Wasser und nicht jedes kleine Defizit muss sofort durch ein grosses Projekt beseitigt werden.

Übrigens: Inzwischen wird die Gleichzeitigkeit von Disruption und Evolution unter dem Dach eines Unternehmens als möglich und sinnvoll erachtet. Dafür steht das Innovationskonzept der sogenannten Ambidextrie (Beidhändigkeit): Ab und an werden disruptive Umbrüche mit Projektcharakter erforderlich («Exploration»). Oft reicht aber der evolutionäre Fortschritt aus («Exploitation»).

 

Zum Autor

Martin Classen ist seit 30 Jahren Berater, Coach und Autor von zehn Studien und vier Büchern. Er ist am Bodensee aufgewachsen und lebt in Freiburg im Breisgau und in Basel. In seinem aktuellen Buch faltet er die 15 Spannungsfelder bei Veränderungen auf, beantwortet die Leitfragen zum jeweils besten Vorgehen und gibt konkrete Tipps zum Abwägungsprozess.

 

Das Buch

Martin Classen: «Spannungsfelder im Change Management: Veränderungen situativ gestalten», Handelsblatt Fachmedien, Düsseldorf (D), 1. Auflage 2019, 216 Seiten, Hardcover, Format 17 x 24 cm, EUR 39.00, ISBN: 978-3-947711-09-3, auch als eBook und im Bundle erhältlich


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